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Bernd
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Veröffentlicht am 20 Jul, 2026
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Veröffentlicht am 20 Jul, 2026
Granat, Rubin, Saphir oder Platin: Welches Festool-Schleifmittel wofür?
Festool benennt seine Schleifmittel nach Edelsteinen. Und wie bei echten Edelsteinen gilt: Jeder hat seinen eigenen Charakter. Wer zum falschen greift, schleift länger, wechselt öfter und ärgert sich über zugesetzte Scheiben. Wer den richtigen wählt, kommt mit weniger Material schneller zu einer besseren Oberfläche. Dieser Vergleich zeigt, welche Serie wofür gebaut ist, und gibt klare Empfehlungen für die Praxis.
Die Kurzantwort
- Granat ist der Universalist: Lacke, Farben, Spachtel, Füller, Kunststoffe und Holz, vom kräftigen Abtrag bis zum sehr feinen Finish. Wenn Sie nur eine Serie im Regal haben wollen, dann diese.
- Rubin ist der Holzspezialist: entwickelt für Weich- und Hartholz sowie Holzwerkstoffe, mit robustem Papierträger für den kräftigen Schliff am rohen Holz.
- Saphir ist der Grobian: extrem widerstandsfähig für Entlackungen, alte Farbschichten, GFK und Metall, also überall dort, wo normales Schleifpapier schnell aufgibt.
- Platin ist der Feingeist: schaumstoffunterlegtes Feinstschleifmittel für Poliervorbereitung, Mattierung und Finish, trocken wie nass einsetzbar.
Warum das so ist, wo die Grenzen der einzelnen Serien liegen und welche Körnung Sie wofür brauchen, klären wir der Reihe nach.
Warum überhaupt vier Serien?
Schleifmittel ist nicht gleich Schleifmittel. Korn, Kornstreuung, Beschichtung und Trägermaterial entscheiden darüber, wie sich eine Scheibe auf einem bestimmten Untergrund verhält. Ein Schleifmittel, das auf hartem Lack brilliert, braucht andere Eigenschaften als eines, das rohes, harziges Holz abtragen soll, und wieder andere als eines, das eine Fläche auf Hochglanzpolitur vorbereitet.
Festool löst das nicht mit einem Kompromisspapier, sondern mit spezialisierten Serien, die alle auf dasselbe System abgestimmt sind: StickFix-Klett, das Lochbild für die Absaugung und die passenden Schleifteller. Sie wechseln also nur die Scheibe, nicht das System.
Festool Granat: Einer für (fast) alles
Granat ist der meistverkaufte Grund, warum viele Anwender gar nicht erst über andere Serien nachdenken. Das Korn aus selbstschärfender Keramik und standfestem Aluminiumoxid hält lange durch, und die Antihaftbeschichtung wirkt dem größten Feind jedes Schleifmittels entgegen: dem Zusetzen. Zusammen mit der abgestimmten Absaugung bleibt die Scheibe dadurch deutlich länger scharf, auch auf Materialien, die andere Papiere in Minuten dichtsetzen.
Hier spielt Granat seine Stärken aus:
- Lacke und Farben, auch moderne, zähe VOC-Lacksysteme
- Spachtelmassen und Füller
- Kunststoffe, Acryl und Mineralwerkstoffe
- Holz, vom Vorschliff bis zum Zwischenschliff nach der ersten Lackschicht
Körnungen:
Granat deckt einen enormen Bereich ab: von grobem Abtrag um P40 bis in sehr feine Körnungen jenseits von P1000, je nach Format. Damit bleiben Sie über den kompletten Arbeitsweg in einer Serie und wechseln nur die Körnung, nicht die Logik.
Wo Granat an Grenzen kommt:
Bei brutalen Grobschliffarbeiten auf alten, dicken Farbschichten oder an stark beanspruchten Kanten ist der Träger irgendwann der limitierende Faktor. Dafür gibt es Saphir. Und wer täglich große Mengen rohes Massivholz schleift, holt mit Rubin etwas mehr Abtrag heraus.
Gut zu wissen:
Aus der Granat-Familie gibt es zwei Ableger. Granat Net ist die Netzvariante für stark staubende Untergründe wie Spachtelmassen; die offene Struktur lässt sich vollflächig absaugen. Granat PROfile ist für profilierte Flächen und Leisten gedacht. Beide verdienen einen eigenen Beitrag; für diesen Vergleich genügt: Es sind Spezialformen desselben Korns.
Festool Rubin: Der Spezialist für rohes Holz
Rubin wurde für das Schreiner- und Tischlerhandwerk entwickelt, also für Weichholz, Hartholz und Holzwerkstoffe. Der robuste Papierträger verträgt kräftigen Druck und starke Beanspruchung, wie sie beim Massivholzschliff normal sind. Beim Abtrag auf rohem Holz hat Rubin gegenüber Granat spürbar die Nase vorn.
Hier spielt Rubin seine Stärken aus:
- Rohes Massivholz, Weichholz wie Hartholz
- Furnierte Flächen und Holzwerkstoffe
- Kräftiger Vor- und Zwischenschliff, bei dem das Papier etwas aushalten muss
Körnungen:
Rubin gibt es von grob bis etwa P220. Und genau da liegt die praktische Konsequenz: Für den Feinschliff darüber hinaus, etwa vor dem Ölen sehr feiner Oberflächen oder für den Lackzwischenschliff, wechseln Sie ohnehin zu Granat. Viele Werkstätten fahren deshalb zweigleisig: Rubin für den Holzvorschliff, Granat für alles ab dem Feinschliff.
Wo Rubin an Grenzen kommt:
Auf Lacken, Farben und Spachtel ist Rubin fehl am Platz. Das Papier ist dafür nicht beschichtet und setzt sich schneller zu. Sobald etwas anderes als Holz unter der Scheibe liegt, greifen Sie zu Granat.
Festool Saphir: Wenn es richtig grob wird
Saphir ist das Arbeitstier für Aufgaben, bei denen Standardpapier reihenweise stirbt: alte, dicke Farb- und Lackschichten, GFK, Metall und stark beanspruchte Kanten. Das Schleifmittel ist auf maximale mechanische Widerstandsfähigkeit gebaut. Träger und Korn stecken Belastungen weg, an denen feinere Papiere einreißen oder stumpf werden.
Hier spielt Saphir seine Stärken aus:
- Entlacken und Entschichten, gerade in Kombination mit dem Rotex im Grobschliffgang
- Sanierungsarbeiten mit hohem Abtrag
- GFK und Metall
- Kanten und Ecken, an denen Schleifmittel mechanisch leidet
Körnungen:
Saphir gibt es bewusst nur in groben Körnungen, im Bereich von etwa P24 bis P80. Es ist kein Finish-Schleifmittel und will auch keines sein.
Wo Saphir an Grenzen kommt:
Auf harzigem Holz und frischen, weichen Beschichtungen kann sich auch Saphir zusetzen. Seine Stärke ist die mechanische Robustheit, nicht die Antihafteigenschaft. Der typische Arbeitsablauf lautet deshalb: mit Saphir die alte Schicht herunterholen, dann mit Granat den Aufbau der Oberfläche beginnen.
Festool Platin: Der Weg zum perfekten Finish
Platin ist das Feinstschleifmittel der Familie und konstruktiv ein Sonderfall: Das Korn sitzt auf einem weichen Schaumstoffrücken. Der passt sich der Oberflächengeometrie an, verteilt den Druck gleichmäßig und verringert das gefürchtete Durchschleifen an Kanten. Das Ergebnis ist ein besonders gleichmäßiges Schliffbild, die Grundlage für Hochglanzpolituren und edle Mattierungen.
Hier spielt Platin seine Stärken aus:
- Poliervorbereitung auf Lacken, etwa vor dem Hochglanzfinish
- Mattieren und Veredeln von Oberflächen
- Feinschliff auf gewölbten und profilierten Flächen, wo harte Scheiben Kanten durchschleifen würden
- Trocken- und Nassschliff
Körnungen:
Platin arbeitet in einer eigenen Liga. Die Abstufungen reichen bis in den Bereich S4000. Dort, wo Granat aufhört, fängt Platin an.
Wo Platin an Grenzen kommt:
Für Abtrag ist Platin nicht gemacht. Wer damit Material wegschleifen will, hat die falsche Scheibe in der Hand. Platin verfeinert, es formt nicht.
Alle vier Serien im direkten Vergleich
| Serie | Charakter | Typische Anwendungen | Körnungsbereich (ca.) | Typische Maschinen |
|---|---|---|---|---|
| Granat | Universalist | Lacke, Farben, Spachtel, Füller, Kunststoffe und Holz | P40 bis über P1000 | Exzenterschleifer, Rotex, Rutscher und Deltaschleifer |
| Rubin | Holzspezialist | Weich- und Hartholz, Holzwerkstoffe und Furnier | P40 bis P220 | Exzenterschleifer, Rutscher und Bandschleifer |
| Saphir | Grobschliff-Spezialist | Entlacken, alte Farbschichten, GFK, Metall und Kanten | P24 bis P80 | Rotex im Grobschliffgang und Rotationsschleifer |
| Platin | Finish-Spezialist | Poliervorbereitung, Mattierung und Feinstschliff – nass und trocken | Bis ca. S4000 | Exzenterschleifer im Feinschliffgang |
Entscheidungshilfe: 5 typische Projekte
1. Massivholzmöbel roh schleifen, danach ölen
Rubin für den Vor- und Hauptschliff, zum Beispiel 80 → 120 → 180. Für den letzten Gang vor dem Öl auf Granat wechseln, etwa 220 oder 240. Alternativ komplett mit Granat: etwas weniger Abtrag im Grobschliff, dafür eine Serie für alles.
2. Lackierte Tür anschleifen und neu lackieren
Granat, durchgehend. Anschliff der alten, intakten Lackschicht mit 240 bis 320, nach der Grundierung Zwischenschliff mit 320 bis 400.
3. Alte, dicke Farbschichten komplett entfernen
Saphir 24 oder 36 auf dem Rotex im Grobschliffgang, bis der Untergrund frei ist. Danach mit Granat den Neuaufbau beginnen: 80 → 120 → weiter je nach Ziel.
4. Spachtelflächen und Füller schleifen
Granat. Genau dafür wurde die Antihaftbeschichtung gemacht. Bei großflächigen, stark staubenden Spachtelarbeiten lohnt der Blick auf Granat Net.
5. Klavierlack-Finish: Fläche auf Hochglanz bringen
Granat bis in die hohen Körnungen, dann Platin, zum Beispiel S1000 → S2000 → S4000, als Poliervorbereitung und anschließend Politur. Genau für diese Kette wurde Platin gebaut.
Häufige Fragen
Granat oder Rubin: Was ist besser für Holz?
Beide funktionieren. Rubin trägt auf rohem Massivholz kräftiger ab und hält mechanisch mehr aus; Granat setzt sich weniger zu und deckt auch die feinen Körnungen sowie den späteren Lack- oder Ölzwischenschliff ab. Faustregel: Wer viel rohes Holz schleift, nimmt Rubin für den Vorschliff. Wer eine Serie für den ganzen Arbeitsweg will, bleibt bei Granat.
Reicht Granat für alles?
Für geschätzt 80 Prozent der Anwendungen: ja. Die Spezialisten lohnen sich an den Rändern: Saphir, wenn regelmäßig entlackt oder saniert wird; Rubin, wenn täglich Massivholz über die Werkbank geht; Platin, wenn Hochglanz oder edle Mattierungen das Ziel sind.
Welches Schleifmittel für alte Farbe und Lack?
Dicke, alte Schichten: Saphir in grober Körnung, idealerweise auf dem Rotex. Intakte Lackflächen, die nur angeschliffen werden: Granat in feiner Körnung, ab etwa Körnung 240.
Was unterscheidet Platin von einer sehr feinen Granat-Körnung?
Der Aufbau. Granat sitzt auf einem klassischen Träger und wird auf der normalen Telleroberfläche gefahren. Platin liegt auf Schaumstoff, schmiegt sich an Konturen an, verteilt den Druck und kann auch nass eingesetzt werden. Für die letzte Stufe vor der Politur ist das der entscheidende Unterschied im Schliffbild.
Passen Festool-Schleifmittel auch auf andere Maschinen?
Grundsätzlich ja, sofern Durchmesser und Klettsystem passen. Ihre volle Wirkung, vor allem die nahezu staubfreie Absaugung über das abgestimmte Lochbild, entfalten sie aber im Festool-System aus Maschine, Teller und Absaugmobil.

Fazit
Die vier Serien sind keine Marketingvarianten, sondern echte Arbeitsteilung: Granat für den Alltag auf fast allen Materialien, Rubin für den kraftvollen Holzschliff, Saphir für die groben Fälle und Platin für das Finish. Wer das einmal verinnerlicht hat, kauft gezielter, schleift schneller und wechselt seltener die Scheibe.
Alle vier Serien finden Sie in sämtlichen Körnungen und Formaten bei uns im Shop, vom Einzelpack bis zum Schleifmittel-Systainer.
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